Brauchen ängstliche Hunde einen konsequenten Rudelführer?

Angst vor Menschen tritt bei Hunden aus dem Ausland häufig aufgrund ihrer fehlenden Sozialisierung oder aufgrund zuvor erlebten Grausamkeiten von Menschen auf. Diese Hunde erfordern viel Geduld und eine ruhige Führung um ihre Angst vor Menschen zu verlieren. Es kann Monate dauern, bis du eine Verbesserung des Verhaltens gegenüber Menschen feststellen kannst.

Das Rudelverhalten basiert auf einer Hierarchie, wobei die Alpha-Position dem dominanten Rüden / der dominanten Hündin im Pack vorbehalten ist. Der Status der Hierarchie wird bestimmt durch das Vorrecht auf Ressourcen (Spielzeug, Schlafplatz, Futter). Für das Rudel ist es überlebenswichtig, das der Rudelführer ausgeruht und gut genährt ist (Vorrecht auf Ressourcen). Denn die wichtigsten Entscheidungen sind dem Rudelführer überlassen, um die Sicherheit für das Rudel zu gewährleisten. Wenn ein Hund nicht der Rudelführer ist, dann folgt er dem Rudelführer. Genau dieses Wissen müssen wir uns bei Angsthunden zu Nutze machen.

Wenn ein ängstlicher Hund nicht von Menschen sozialisiert wurde kann er bestimmte Verhaltensweisen aufweisen, die in einem Rudel normal sind.

Hier ein paar Beispiele:

  • Dein Hund wird immer hinter dir laufen und niemals vor dir.
  • Dein Hund entfernt sich, wenn du dem Futternapf zu nahe kommst – da du der Rudelführer bist und ein Vorrecht auf die Ressource hast.
  • Dein Hund wird bellen um dich zu warnen das jemand vor der Tür steht. Dein Hund bleibt aber in dem Moment hinter dir, wenn du zur Tür gehst und die Situation übernimmst. Du entscheidest für deinen Hund ob dein Gegenüber an der Tür Freund oder Feind ist. 
  • Dein Hund stellt sich hinter dich in Situationen die ihm bedrohlich vorkommen, wie beim Besuch einer fremden Person oder einem fremden Hund.
  • Berührungen und Streicheleinheiten gehen von dir aus. Dein Hund fordert dich nicht mit stupsen seines Kopfes an ihn zu streicheln.

Das oben beschriebene Verhalten erscheint den meisten Menschen seltsam, weil sie an Hunde gewöhnt sind die mit Menschen aufgewachsen sind und ein anderes Sozialverhalten zeigen. Es ist aber die natürliche Interaktion zwischen dem Rudelführer und dem unterwürfigen Hund in einem Rudel. Wenn dein Hund sich so verhält zeigt es, dass dein Hund dich als Rudelführer wahrnimmt und deinen Entscheidungen vertraut.  

Für ängstliche Hunde ist es von größter Bedeutung deinen Entscheidungen vertrauen zu können. Wichtiger als alles andere. Sie können sich nur dann sicher und geschützt fühlen, wenn sie in allen Situationen einen ruhigen, selbstbewussten und beständigen Rudelführer haben. Liebe, Geduld und Spaziergänge sind wichtig für den Aufbau einer Vertrauensbasis – dein Hund wird dir aber erst vollkommen Vertrauen können, wenn er sich von dir beschützt fühlt.

Es ist wichtig, dass du deinem Hund zeigst, dass du Situationen im Griff hast in denen dein Hund angst hat oder unsicher ist. Beispielsweise ist dein Hund  an der Leine und ein Fremdhund rennt bellend auf deinen Hund zu. Dann solltest du dich vor deinen Hund stellen und den Fremdhund nicht vorbeilassen. Erst wenn der Fremdhund sich beruhigt hat gehst du einen Schritt zur Seite und lässt den Fremdhund in ruhiger Manier zu deinem Hund. Gleiches gilt, wenn beim Spaziergang eine fremde Person deinen Hund streicheln möchte. Stell dich wieder vor deinen Hund, um deinen Hund ein geschütztes Gefühl zu geben.  Dann erklärst du der Person, dass dein Hund schnappt und du ihm nicht empfehlen würdest deinen Hund zu streicheln. Warum? Dein Hund ist angeleint, kann nicht fliehen und eine fremde Person lehnt sich nach vorne um ihn zu streicheln. Die nach vorne gebeugte Haltung, die ausgestreckte Hand und der Blickkontakt können von deinem Hund als aggression interpretiert werden. Eine unangenehme Situation für deinen Hund. Wenn du so etwas zulässt wird es dazu führen dass er in Zukunft in Panik gerät, wenn sich eine fremde Person nähert. Die meisten Menschen respektieren es nicht, wenn du ihnen sagst dein Hund hat Angst. Sie werden sich trotz deiner Bitte nach vorne lehnen und deinen Hund streicheln wollen. Deswegen sage das dein Hund schnappt. Wenn der Fremde deinen Hund ignoriert lernt dein Hund das keine Bedrohung von anderen Spaziergängern ausgeht und wird schneller den Mut fassen von sich aus nach vorne zu kommen, um an dem Hosenbein der Person zu schnuppern.   

Wenn du nicht die Rolle des Rudelführers übernimmt zwingst du deinen ängstlichen Hund in die Position des Entscheidungsträgers und Rudelführers. Das ist eine sehr stressige Position für deinen Hund, weil er immer in Alarmbereitschaft ist und auf jede Situation reagiert die er für gefährlich hält. Je nach Situation trifft er eine Entscheidung, die zu Flucht, Verharren oder Kampf führt. Dein Hund wird in der häuslichen Umgebung unruhig, steht ständig auf und läuft herum, um das Haus zu überprüfen. Oft bellt und knurrt er, wenn Besucher im Haus sind. Deswegen ist es so wichtig, dass du als Besitzer Verantwortung übernimmst und deinen Hund mit konsequentem und ruhigem Verhalten durch Situationen führst in denen dein Hund Angst hat.

Oft könne Besitzer von ängstlichen Hunden, ihre Hunde in den ersten Minuten nicht streicheln, wenn sie nach Hause kommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Hund sich nicht freut. Stattdessen wedelt der Hund sanft und dreht Runden um den Besitzer, um seine Freude zu demonstrieren. Das Verhalten hat zwei Gründe. Erstens nur der Rudelanführer initiiert Körperkontakt und Spiele, so dass es respektlos gegenüber dem Rudelführer ist, wenn der untergeordnete Hund physischen Kontakt aufnimmt. Zum Anderen nimmt der Hund die neuen Gerüche die am Rudelführer haften wahr. Nimm dir also mit einem ängstlichen Hund Zeit, leg die Jacke und Lebensmittel weg, bevor du langsam dich seitlich neben deinen  ängstlichen Hund hockst, um ihn zu streicheln.

Ich hoffe, ich konnte dir mit dem Artikel verständlich machen, dass dein Hund klare Regeln und Strukturen braucht um sich bei dir sicher zu fühlen. Im Kommentarfeld kannst du mir deine Gedanken und Erfahrungen zum Thema Angsthund mitteilen.

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