Praxis-Tipps: Wie kann ich einem Hund mit Angst vor Menschen helfen?

Beim Angsthund muss dir bewusst sein, dass die Gewöhnung an Menschen allein in dem vorgegebenen Tempo deines Hundes stattfindet. Jede Annäherung an Personen sollte auf der Initiative deines Hundes basieren. Wie du den Prozess beschleunigen kannst ist hier beschrieben. Von Bedeutung ist, dass du deinem Hund Sicherheit vermittelst und keinen Menschen versuchen lässt deinen Hund zu streicheln. Lange Spaziergänge sorgen dafür, dass sich dein Hund entspannt, gegenüber äußeren Reizen desensibilisiert wird (Spaziergänger, Radfahrer) und ihr zueinander Vertrauen aufbaut.

Ankommen

Dein Hund ist nach seiner Ankunft verängstigt und wird sich nicht trauen auf Entdeckungstour zu gehen wenn du vor Ort bist. Er muss sich mit seiner neuen Lebenssituation vertraut machen. Gib deinem Hund die Möglichkeit, sich in deiner Wohnung oder in deinem Haus zu orientieren und die verschiedenen Gerüche im Haus kennenzulernen.

Lass deinen Hund einen Ort im Haus finden, an dem er sich sicher fühlt. An diesem sicheren Ort ist außer dein Hund niemand erlaubt. Du bist die einzige Person die sich dem Versteck nähern darf. Vorsichtig kannst du deinen Hund ermutigen sein Versteck zu verlassen, in dem du ihm zuerst mit deiner Hand in seinem Versteck fütterst. Meistens wählen ängstliche Hunde Plätze unter einem Schrank, Bett oder Sofa als Versteck. Wenn du deinen Hund aus der Hand fütterst, darf er komplett im Versteck bleiben. Durch das Füttern aus der Hand entsteht Vertrauen zwischen dir und deinem Hund. Anschließend versuchst du deinen Hund zu ermutigen, das Futter außerhalb des Versteckes zu nehmen. Es reicht, wenn zuerst nur die Nase und dann der Kopf aus dem Versteck gestreckt wird. Vermeide zu diesem Zeitpunkt das Sprechen und Augenkontakt. Der Hund wird mit der Zeit deine Hand und deinen Geruch mit etwas positive verbinden und langsam das Versteck bei der Fütterung ganz verlassen. Versuch auf keinen Fall deinen Hund zu streicheln.

Das richtige Anleinen bei einem Angsthund

Das Anbringen einer Leine an deinem Hund kann sich zunächst schwierig gestalten, da du beim Anleinen sehr nah an den Hals deines Hundes musst. Das Anbringen einer 1-Meter-Schnur am Halsband des Hundes kann helfen Stress für deinen Hund zu vermeiden. Die Schnurr ermöglicht dir das du nicht so nah an den Hals deines Hundes musst, wenn du mit ihm spazieren gehen möchtest. Stell aber sicher, dass dein Hund nicht an der Schnur im Haus hängen bleibt oder in meinem Fall die Katze anfängt die Schnurr am Hund zu jagen.

Wenn du keine Schnur befestigt hast und du deinen Hund anleinen möchtest, setzt du dich am besten vor die Haustür die du nur einen Spalt öffnest um deinen Hund deine Absicht zu verdeutlichen. Schau die Tür an und nicht deinen Hund. Gähne und lecke dir über die Lippen um deinen Hund zu beruhigen (Beschwichtungssignale). Ist dein Hund nah genug dran kannst du langsam mit der Hand die Schulter streicheln, bevor du mit er Hand von der Schulter zum Hals gehst, um deinen Hund anzuleinen. Gehe nicht mit der Hand zum Kopf und dann zum Hals. dein Hund wird zurückweichen, wenn deine Hand von oben kommt. Diese Prozedur zum Anleinen kann bis zu 30 Minuten dauern – daher befestige am besten direkt eine lange Schnur. 

Werde nicht sauer

Gerade in der ersten Zeit wird dein Hund häufig ins Haus machen. Glaub mir, dein Hund will auch seine Geschäfte draußen erledigen, er ist vor Angst nur wie gelähmt. Sobald er es mit dem Anleinen verstanden hat, wird er sich stumm vor die Haustür stellen, wenn er raus muss. Du musst sehr viel Geduld und Verständnis für ihn zeigen. Wirst du ihm laut gegenüber, wirst du Rückschritte machen.

Annäherung an einen Angsthund

Das Streicheln der Oberseite des Kopfes ist wie das nach vornebeugen zum Hund ebenfalls ein dominantes Verhalten und sollte vermieden werden. Dein Hund kann in solchen Situationen sein Unbehagen zeigen, indem er häufig über die Lippen leckt und in eine andere Richtung schaut. Dein Hund wird sich wohler fühlen, wenn du seine Brust oder Schulter streichelst.

Beweg dich immer langsam und von der Seite an deinen Hund heran. Vermeide dabei Augenkontakt und gehe neben deinen Hund in die Hocke um durch deine Größe weniger einschüchternt zu wirken.  

Umgang mit Besuch, Familie und Freunden

Ängstliche Hunde haben möglicherweise auch Angst vor schnellen Armbewegungen. Das kann durch das Werfen von Leckereien überwunden werden – was die Idee schneller Armbewegungen für deinen Hund positiv verstärkt. Dies kannst du prima für Besuch nutzen. Du solltest Freunden oder Familienmitgliedern erlauben, Leckereien für den Hund zu werfen. Dabei sollte der Abstand zwischen der Person und dem geworfenen Leckerli verringert werden, damit der Hund sich freiwilliger näher an die Person herantraut und es positive assoziiert. 

Ist dies noch eine zu große Herausforderung für deinen Hund, sollten Freunde und Familie es vorerst in sitzender Position versuchen. Dadurch erscheint die Person nicht so groß und die Bewegungen der Person sind vom Hund besser einschätzbar. 

Deine Besucher sollten generell deinen Hund ignorieren. Kein Augenkontakt, keine Ansprache und vor allem kein Versuch deinen Hund zu streicheln. Dein Hund fühlt sich sicherer, wenn ihm niemand Aufmerksamkeit schenkt. Es wird ihn ermutigen von selbst nach vorne zu kommen und an dem Besucher zu schnüffeln. Dein Hund schnüffelt an Besuchern und nimmt von Fremden Leckeres aus der Hand? Glückwunsch, dann bist du schon ein ganzes Stück weiter.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Hund Angst hat

Wenn dein Hund den Schwanz unter dem Körper hat und zittert, solltest du mit einer fröhlichen Stimme zu deinem Hund sprechen und eine positive Körpersprache beibehalten und deinen Hund mit Leckereien oder einer Richtungsänderung ablenken, damit sich dein Hund nicht in die Angst hineinsteigert. Sprichst du mit einer weichen und liebevollen Stimme zu deinem Hund bestätigst du ihn in seine Angst und verstärkst sein Verhalten.

Hat dein Hund Angst vor einer Person oder vor einem Hund den ihr auf einem Spaziergang trefft, dann stell dich vor deinen Hund und lasse weder die Person noch den fremden Hund zu deinem Hund. So fühlt sich dein Hund von dir beschützt und vertraut dir mehr in Situationen in dem er sich unsicher fühlt.

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