Ist ein Listenhund etwas für mich?

Zu viele Pit Bull-Rassen (American Staffordshire Terrier, American Pit Bull Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier) enden im Tierheim, weil die Besitzer schlecht vorbereitet und verantwortungslos sind und nicht wissen was sie tun sollen wenn ihr süßer Welpe zum ausgewachsenen Pit Bull heranwächst. Gut trainiert und sozialisiert sind Hunde aus der Gruppierung Pit Bull wundervolle Familienhunde, aber sie haben rassetypische Eigenschaften die bei einem unachtsamen Besitzer schnell zu Problemen führen können. 

Bevor du dir einen Pit Bull zulegst, informiere dich über die Pit Bull Rasse, die du dir aussuchst und beschäftige dich mit Hundeverhalten. Du kannst einer American Staffordshire Terrier, American Pit Bull Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrie Gruppe bei Facebook beitreten und dort Fragen stellen. Gerade die Pit Bull Rassen haben übereinstimmende Charaktereigenschaften, weshalb ich sie hier zusammenfassend als Pit Bulls bezeichnen werde.

Es hört sich einfach an, aber ganz am Anfang deiner Überlegungen musst du dir erst einmal sicher sein, das du sehr viel Zeit mit deinem Hund verbringen willst. Pit Bulls brauchen viel Aufmerksamkeit und wenn du ihnen nicht gerecht wirst, kannst du es schnell an deinem zerlegten Sofa merken. Natürlich gibt es Pit Bulls die mit drei moderaten Spaziergängen am Tag gut zurechtkommen, aber charakteristisch für die Rassen ist ihr hohes Energielevel. Somit brauchen die meisten Pit Bulls zusätzlich zu den Spaziergängen einen Hundesport und extra Training um ausgeglichen und glücklich zu sein. 

Durchsetzungsvermögen ist bei einem Pit Bull ein Muss. Sie neigen dazu dominant zu sein, deswegen musst du in der Lage sein, klare Regeln einzuführen und auf die Einhaltung konsequent zu achten. 

Ein Pit Bull gehört definitiv nicht zu den Rassen die einfach so „mitlaufen“. Sie brauchen Training und es muss ihnen beigebracht werden, wie sie sich in der Gegenwart von Menschen (z.B.: nicht zu stürmisch begrüßen) und anderen Hunden benehmen sollen. Wenn du von 9 bis 5 Uhr im Büro bist, ist ein Pit Bull nicht die richtige Rasse für dich. Außer du kannst deinen Pit Bull tagsüber in die HUTA – Hundestagesstätte geben oder du hast einen Bekannten der sich tagsüber um deinen Hund kümmern kann. 

Pit Bulls sind tolle Familienhunde mit denen du sehr viel Spaß haben kannst, vorausgesetzt du bist bereit das Notwendige zu tun um deinen Hund körperlich und geistig auszulasten und liebevoll und konsequent zu erziehen, sowie zu sozialisieren. Denke auch daran, deinen Kindern den richtigen Umgang mit Hunden beizubringen. Pit Bulls sind nicht glücklich, wenn sie im Hintergarten eingesperrt sind. 

Dieser Überblick erlaubt dir herauszufinden, ob ein Pit Bull etwas für dich ist:

  • Körperliche und geistige Auslastung

Du musst mit einem Pit Bull keine 10 Kilometer am Tag joggen, drei moderate Spaziergänge am Tag reichen aus. Zusätzlich zu den regulären Spaziergängen benötigt er Spiel, Spaß und Action. Das heißt, du solltest unbedingt viel mit deinem Hund spielen, damit er ein Ventil für seine überschüssige Energie und Kraft hat. Am besten eignet sich eine Hundesportart, wie zum Beispiel Agility. Dein Hund kann sich körperlich auslasten, muss sich konzentrieren und euer Vertrauen zueinander wächst. Ein Pit Bull der sich langweilt und keine Möglichkeit hat seine Energie loszuwerden, wird sich Beschäftigung suchen. Sie sind berühmt Sachen auseinanderzureißen, anzuknabbern und den Garten in ein Schlaglochfeld zu verwandeln wenn sie nicht ausgelastet werden. 

  • Dominant und willensstark

Pit Bulls sind dominant, willensstark und intelligent. Sie brauchen eine konsequente und liebevolle Erziehung. Als Besitzer solltest du der Rudelführer sein und dich mit Hundeverhalten auskennen. Wenn das der Fall ist, hast du einen sehr arbeitswilligen, gehorsamen Hund an deiner Seite, der unglaublich schnell neue Tricks lernt. 

  • Geht keinem Streit aus dem Weg

Ein gut sozialisierter Pit Bull liebt es mit seinen Artgenossen zu spielen und lebt friedlich mit anderen Tieren im gleichen Haushalt. Fängt aber ein Hund ein Streit an, wird ein Pit Bull weder zurückweichen – noch aufgeben.

Ein Pit Bull der aus einer schlechten Zucht kommt, kann Aggressionen gegenüber Artgenossen zeigen. Es ist also ein Themenfeld mit dem du dich eventuell auseinandersetzen musst. Jedoch werden 80% seines Verhaltens von seinem Umfeld bestimmt. 

  • Schutzhund – kein Wachhund

Wenn du einen Wachhund suchst der draußen dein Haus bewachen soll, ist ein Pit Bull nicht das richtige für dich. Es sind keine Wachhunde. Sie freuen sich meistens über fremden Besuch und könnten auch Einbrecher freudig begrüßen. Außerdem sind Pit Bulls mit ihrem kurzen Fell nicht dazu gebaut draußen zu leben und brauchen von Natur aus Nähe zu ihrer Familie. 

  • Verschärfte Gesetze und höhere Steuern

Pit Bulls sind in einigen Ländern nicht gestattet oder die Haltung nur unter strengen Auflagen möglich. In den meisten Gegenden gibt es eine Leinen- und Maulkorbpflicht. Der Versicherungsbeitrag von sogenannten Listenhunden ist deutlich höher. 

  • Vorurteile

Egal wie gut erzogen und liebenswert dein Hund ist, ihr werdet immer mit Vorurteilen und Menschen konfrontiert sein die Angst vor eurem Hund haben. Euren Sohn vom Kindergarten abholen mit eurem Hund? Ein hundefreundliches Hotel oder Wohnung finden, in dem ihr mit einem Listenhund willkommen seid? Es wird schwierig. 

Warum ein Pit Bull?

Du musst selber entscheiden ob dir die Rasse wichtig genug ist, um mit den oben aufgeführten Einschränkungen und Herausforderungen zu leben. Für mich ist einer der wundervollen Eigenschaften von Pit Bulls, dass sie alles tun um ihren Besitzer zu gefallen (the will to please). Sie sind ausgesprochen intelligent was das Training einfach macht. Sie lernen super schnell und brauchen nur wenige Wiederholungen bis sie das erwünschte Verhalten verstanden haben. Sie sind sehr sensibel und lernen am besten mit positiver Verstärkung und nicht mit harten Korrekturen. Sie lieben Kinder, bringen dich mit ihrer verspielten Art oft zum Lachen und sind sehr kuschelig. Sie sind super Schutzhunde, absolute Athleten und der beste Partner, wenn man am Hundesport Spaß hat. Für mich war es definitiv die richtige Entscheidung. Ich habe viel Freude an dieser Rasse und versuche anderen Menschen zu zeigen, wie liebenswert sie sind.  

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